Deutsche Kolonisten in Georgien

Die Auswanderung der Deutschen nach Rußland fing 1763 nach dem bekannten Manifest von Katharina II. an. Es war nötig, weil es unmöglich war, riesige neuergriffene Territorien unter den Bedingungen der Leibeigenschaft zu besiedeln.
Deshalb wurden die Ausländer eingeladen, denen man bedeutende Grundstücke freistellte, die Freiheit des Glaubensbekenntnisses, die Befreiung vom Militärdienst und von der Steuerbezahlung für 10 Jahre garantierte. Die Kolonisten erhielten diese Grundstücke mit dem Recht auf den Nachlass für immer nicht als persönliches Eigentum, sondern als gemeinsames Eigentum jeder Kolonie. Juristisch waren Kolonisten den staatlichen Bauern gleichgestellt. Infolge des Manifests kamen nach Russland vor allem Deutsche und weniger Holländer und Schwede.
Nach dem Manifest von Alexander I. von 1804 sollten Kolonisten den strengeren Anforderungen entsprechen: sie sollten Wein- und Seidenanbau oder irgendwelches Handwerk betreiben, sie sollten auch ein bestimmtes Eigentum und eine Ehefrau mit Kindern haben. Die Deutschen wurden in Georgien auf Initiative des Generals Ermolov angesiedelt. Hauptsächlich kamen diese Familien aus Baden- Württemberg, das die Invasion von Napoleon, politische Unordnung, den Hunger und religiöse Verfolgung überlebt hatten.
Zukunftige Kolonisten hatten noch einen Grund ihre Heimat zu verlassen. Im April 1815 ist der Vulkan Tambora in Indonesien ausgebrochen. Infolge der dicken Wolken vulkanischen Asches herrschte 1816 in Europa und Nordamerika s.g. “vulkanischer Winter”, d.h. es gab tatsächlich keinen Sommer, was zu der Miβernte und dem Hunger führte. Auβerdem waren unter den Kolonisten s.g. Separatisten, die sich von der lutherischen Kirche abgetrennt hatten. In Zukunft hatten sie vor, in der heilige Erde (Palestina) sich zu ansiedeln und dort die Wiederkunft Christi und das “Tausendjährige Reich” zu treffen. Für 53% der Umsiedler von Jahren 1817-1820 war der Hunger einer der wichtigsten Gründe der Umsiedlung und nur für 21 % – religiöse Träume, Übrige sahen darin eine Perspektive bessere Beschäftigung zu finden.
Nach der 90-tägigen Reise über Odessa, die Krim und den Nordkaukasus kamen die Emigranten nach Georgien. Zum Jahresende 1819 wurden in Ostgeorgien 6 Kolonien gegründet:
1) Marienfeld – in Sartitchala
2) Neu-Tiflis – zu jener Zeit am Stadtrand im Stadtteil Kukia.
3) Alexanderdorf – am linken Ufer von Mtkwari im Stadtteil Didube.
4) Petersdorf – in der Nähe von Sartitchala.
5) Elisabethtal – das heutige Assureti.
6) Katharinenfeld – das heutige Bolnisi.

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Die Kolonisten kamen bei Einbruch des Winters und überwinterten in den Erdhütten. 20-30 Jahre später haben sie mit Hilfe der einheimischen Bevölkerung einstöckige und seltener zweistöckige massive Häuser gebaut. Das waren Häuser aus Stein, mit Veranden, Balkons, geschlossenen Innenhöfen und Weinkellern, die eine Mischung der süddeutschen und kaukasischen Stadtarchitektur darstellten. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es in jeder Kolonie Transkaukasiens eine oder einige richtig projektierte breite s.g. Hauptstrassen, die parallel zu einander waren und die mit mehreren schmalen Strassen verbunden waren. Im Zentrum der Kolonie lag ein grosser Platz, wo sich die Verwaltung, eine Kirche, eine Schule, öffentliche Gebäude und Geschäfte befanden.
1842 sind noch 20 Familien aus Deutschland und Russland angekommen. Sie haben sich in der Nähe von Abastumani niedergelassen und diese Kolonie Freudental genannt.


Elisabeththal

Alexandershilf

In Georgien wurden jeder Familie von Kolonisten Grundstücke von 35 Deßjatinen (Hektar) freigestellt. Aber nur die dritte Generation von ihnen hat den wirtschaftlichen Aufschwung wahrgenommen, der in den 70-er Jahren des 19. Jahrhunderts angefangen hatte, und zwar nach der Bodenreform in Transkaukasien. Dieser Aufschwung war die Folge der Befreiung der zusätzlichen Arbeitskraft. In derselben Zeit wurde die Eisenbahn Baku-Tiflis und Tiflis-Poti in Betrieb gesetzt, die den Absatz der Produkte leichter ermöglicht hat. Nach dieser Reform hat man den Kolonisten ihre besonderen Rechte entzogen, die Selbstregierung war aufgehoben. Sie wurden armeepflichtig, deutsche Schulen wurden in russische Volksschulen umgewandelt.
Die Kolonisten züchteten hauptsächlich Weintrauben und Vieh. Soweit wir unterrichtet sind, war Kartoffel nach Georgien von Deutschen gebracht. Sie haben den Grundstein zur Tradition der Herstellung von manchen Lebensmitteln gelegt (wie z.B. verschiedene Arten von Würsten, Schweizerkäse, Bier). In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts haben manche von Kolonisten in Georgien grosse Wirtschaften geschaffen (das waren Kolonisten Kutchenbach, Forer, Fogel und andere).
Die Kolonisten, die in Kukia wohnhaft waren, betrieben Handwerke. Ihre Produktion wurde gut verkauft.
Separatisten, die vorhatten, aus Georgien nach Palestina umzuziehen, haben 1843 mit Unterstützung der Regierung Emissarien nach Palestina geschickt. Jene sind mit der Meinung zurückgekommen, daβ die Besiedlung dort wegen der Unfruchtbarkeit des Bodens und endlosen Invasionen der Beduinen unmöglich war. Danach sind die Separatisten wieder in die lutherische Kirche zurückgekommen.
Bis 1903 waren deutsche Kolonisten direkt der kaukasischen Staatsobermacht untergeordnet, diese Tatsache hat im höchsten Grade ihre Entwicklung bedingt, weil deutsche Kolonien immer „vorbildliche Objekte“ für in Baku und Persien reisende Amtsleute und Ausländer waren.
Unter den Kolonisten waren s.g. Separatisten, die beabsichtigten von Georgien nach Palestina umzusiedeln. Dort mussten sie die Parusie und das „tausendjährige“ Reich empfangen. 1843 haben die Separatisten mit Unterstützung der Regierung drei Abgeordnete nach Palestina geschickt. Als sie zurückgekommen waren, hatten sie Gedanken darüber, dass die Niederlassung in Palestina wegen der dortigen Unfruchtbarkeit des Bodens und der unendlichen Invasionen von Beduinen unmöglich war. Danach sind die Separatisten wieder in den Schoß der lutherischen Kirche zurückgekehrt.
Laut Friedensvereinbarung von 1918 in Brest wurden Kars, Ardagan und Batumi an die Türkei übergeben. Die Türken haben sich damit nicht befriedigt und versuchten das ganze Transkaukasien zu ergreifen. Fürs Anhalten der Türken waren deutsche Truppen eingeladen, die im Mai 1918 nach Georgien gekommen sind. Deutschland musste in jenem Moment die Rolle der festhaltenden Kraft spielen. Sobald die deutsche Militär nach Georgien gekommen war, erklärte sie alle Deutschen und Kriegsgefangenen, die in Georgien wohnhaft waren, militärdienstpflichtig und mobilisierte sie. Die Einmischung der Deutschen fand die türkische Seite ungesetzlich, aber sie konnte nicht ihrem starken Partner Wiederstand leisten. Georgien hat sich vor der türkischen Okkupation gerettet.
Im Februar 1921 haben die Mehrheit der georgischen Bevölkerung und auch die Deutschen, die damals in Georgien wohnten, die Annexion Georgiens von dem Sowjetischen Rußland negativ angenommen.
Denn die Kolonisten hatten ihre Grundstücke mit Nutzungsrecht durch Erbschaft und nicht als Eigentum mit Erbrecht erhalten, waren diejenigen von ihnen gezwungen, den armen Bauern überflüssige Flächen zu übergeben, weil sie grössere Grundstücke besassen, als es festgestellt war. Mit Kollektivierung der Kolonisten sind 1930 alle von ihnen gegründeten Gemeinden auseinandergefallen. Die Gegner der Kollektivierung wurden verhaftet.

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