Deutsche Wissenschaftler in Georgien

Unter den deutschen Wissenschaftlern, die in Georgien tätig waren, muss man besonders den Akademiker aus Petersburg Hermann Abich auszeichnen, der als Vater der kaukiasischen Geologie anerkannt war.
Hermann Wilhelm Abich ist 1806 in Berlin geboren. Sein Vater Wilhelm Abich war Ingenieur von Beruf, seine Mutter stammte aus einer Familie des hervorragenden deutschen Chemikers Martin Klaproth. Hermanns Onkel Julius Klaproth war der bekannte Reisende und Orientalist, Ethnograph, Fachmann auf dem Gebiet der kaukasischen Völker. Er hat großes Interesse seines Neffen an dem Kaukasus, seiner Natur und Geschichte geweckt, und der Vater hat seinem Sohn Interesse für Geologie und Bergbau übergeben. Abich studierte an der Universität Berlin im Fach der Philosophie mit solchen grössten Naturforschern der ersten Hälfte des 19. J.h. wie Geologe Leopold von Buch, Geologe und Geograph Alexander von Humboldt, Geograph Karl Ritter, Philosophe Georg Hegel.
Ende 30-er Jahre ist H. Abich Professor für Mineralogie an der Universität Derpt (das heutige Tartu) geworden. Diese Universität war die einzige im Russischen Reich, wo die Studenten auf Deutsch die Bildung erhalten konnten.
Im Zeitraum 1844 -1876 führte H. Abich geologische Forschungen fast überall im grossen und kleinen Kaukasus. Überwiegend wohnte er in Tiflis und übte ein Amt des Hauptbeamten für ausserordentliche Aufträge der kaukasischen Statthalterschaft im Bergbau aus. Ihm gehört eine besondere Rolle bei der Forschung der Kupfer- Mangan- Eisen- und Steinkohlelagerstätten in Georgien. Als der erste hat er Tiflisser Mineralwässer erforscht. Seine Werke wurden der kompletten geographischen und geologischen Beschreibung des Kaukasus jener Zeit zugrunde gelegt.
Hermann Abich hat im ganzen Kaukasus das ganze Netz von meteorologischen Stationen untergebracht. Er war Direktor des Tiflisser magnetisch- meteorologischen Observatoriums.
Der Kaukasus entzückte ihn. „Oh, Kaukasus, was für Berge, wie viel Erhabenes haben meine nach Kenntnissen gierenden Augen geschaut!“, schrieb Abich an seine Eltern nach Deutchland.


Hermann Abich

Zu Ehren von H. Abich hat man eines von Mineralien Abichit genannt. Hermann Abich ist 1886 in Berlin gestorben.
Es wurde im 19. Jahrhundert sehr grosse Aufmerksamkeit den geophysischen Wissenschaftlern geschenkt. Einer von Initiatoren dieser Wissenschaft war Alexander von Humboldt. Seiner Meinung nach, mussten die Beobachtungen der Magnetfelder der Erde in von einander entfernten Observatorien in vorher bestimmter Zeit gleichzeitig durchgeführt werden. Einer von diesen Bestandteilen dieses Netzes war das Tiflisser Observatorium, das in den 30-er Jahren des 19. Jahrhunderts gegründet worden war, und das Adolph von Kupfer leitete.


Adolph von Kupfer

1844 hat es sich an das vereinigte System der Weltobservatorien angeschlossen. Dieses Observatorium bediente einen ziemlich grossen Raum – den südlichen Teil des Russischen Reichs, den ganzen Kaukasus und die anliegenden Wasserflächen von Kaspischen, Schwarzen und Asov Meeren. Aufgrund solcher ermittelten Angaben wurden exakte Magnetkarten von verschiedenen Territorien und Meeren zusammengestellt. Diese Forschungen hatten die grösste theoretische und praktische Bedeutung.
Überragende Verdienste um die Entwicklung des Tiflisser geophysischen Observatoriums hatte Arnold Moritz (1821 – 1902). Er studierte an der Universität Derpt, dann arbeitete er im Observatorium Pulkovo unter der unmittelbaren Leitung des Akademikers Struve. 1851 wurde Arnold Moritz, Berater des Kollegiums, im Alter von 30 Jahren zum Direktor des Tiflisser magnetisch- meteorologischen Observatoriums ernannt.


Tiflisser magnetisch-meteorologisches Observatorium

1867 hat man dieses Observatorium physikalisch genannt, und A. Moritz ist wieder als Direktor gewählt worden. Arnold Moritz hatte die universale Gabe: er war Astronom, Meteorologe, Magnetologe, Wissenschaftler, Wissenschafts- und Bauorganisator, Persönlichkeit des öffentlichen Lebebs. Er war der Autor des Generalplans von Observatorien sowohl in Tiflis als auch in Stawropol. Architektoren Otto Simonson und Leopold Bielfeld haben an der Gründung und Restaurierung des geophysikalischen Laboratoriums teilgenommen. 1879 wurde Johann Milberg zum Direktor des Tiflisser physikalischen Observatoriums ernannt.


Mit ihm ist eine weitere Etappe des Aufschwungs und der Leistungen des Observatoriums verbunden. Außer den obengenannten Personen arbeiteten im Obsesrvatorium viele andere Deutsche. 1910 wurde Gleb von Lemmlein zum Direktor ernannt. Seit 1924 leiteten das geophysikalische Observatorium Andrej Benaschwili, Alexander Didebulidze, Razhden Khuzischwili und Michael Nodia. Der Sohn von Razhden Khuzischwili – Givi Khuzischwili war der weltberühmte Gelehrte und einer der Gründer der theoretischen Physik in Georgien.
In den Zeiten von Millberg erscheint die bekannte Dynastie von Mechanikern der Feinmessgeräte: Weiß. Der erste Vertreter dieser Dynastie war Florentin Ferdinand Weiß, dessen Vater Christian Ferdinand Weiß noch in den 60-er Jahren des 19. Jahrhunderts von Stuttgart nach Tiflis mit der Firma „Siemens“ gekommen war, wo er als Mechaniker gearbeitet hatte. Florentin Ferdinand Weiß arbeitete im Tiflisser Observatorium im Laufe von 30 Jahren. Seine Tätigkeit hat sein Sohn Florentin Weiß fortgesetzt. Nach dem Befehl des Russischen Zaren Peter I. wurde der Titel des Feinmessgerätemechanikers nur den Menschen deutscher Abstammung verliehen. Jeder folgende Vertreter der Dynastie von Weiß bekam die Ausbildung in Deutschland und machte das Praktikum in Berlin. Alle drei Söhne von Florentin Ferdinand Weiß – Florentin, Arnold und Bruno arbeiteten in Tiflis. Sie waren nicht nur als Feinmessgerätemechaniker, sondern auch als Mechaniker des breiten Profils tätig.
F. F. Weiss und seine Familie konnten dem Schicksal der Deutschen Georgiens während des Krieges nicht entgehen, und trotz Versuche seiner Kollegen wurde er 1941 mit seiner Familie wie die meisten Deutschen Georgiens nach Kasachstan deportiert. Nach dem Krieg ist F.F. Weiß mit seiner Familie dank dem Gesuch des Präsidenten der Wissenschaftsakademie Georgiens Niko Muskhelischwili nach Tbilissi zurückgekommen und in seine Funktion wiedereingesetzt worden. Seine Tochter Irma Weiß arbeitete auch im Bereich der Geophysik. Sie ist Mitglied der Assoziation „Einung“.
Die wunderbare Natur Georgiens zog auf sich Blicke der deutschen Botaniker, sie hatten insbesondere einen grossen Anteil an der Wiedergeburt des Tiflisser Botanischen Gartens. 1861 wurde der gelehrte Gärtner-Dekorator Heinrich Scharer (1828-1906) zum Leiter des Botanischen Gartens ernannt. Er arbeitete im Garten im Laufe von 28 Jahren und hatte sehr viele gute Sachen gemacht. Nach H. Scharer ernannte man A. Ginzenberg zum Leiter dieses Gartens. Seit 1902 war Direktor des Gartens Adolf Roloff. A. Roloff hat alle wissenschaftlichen Abteilungen und Laboratorien des Botanischen Gartens, regionale geographische Abteilungen und Probestationen in Transkaukasien gegründet. Auf seine Initiative sind periodische Ausgaben erschienen. Die Tätigkeitsperiode von A. Roloff war die richtige Aufschwungszeit des Botanischen Gartens.


Der Grabstein von Roloff.

In derselben Periode arbeiteten im Garten E. König und Grossheim. Sie brachten aus verschiedenen Kaukasusregionen lebendige Pflanzen für den Garten, um die Floraabteilung zu bereichern.
Seit dem 19. Jahrhundert sind unter den Forschern der georgischen Flora auch folgende deutsche Botaniker wie I. Guldenstedt, Marschall Bieberstein, K. Koch, G. Radde, N. Busch, E. Busch und andere auszuzeichnen.
Die deutschen Botaniker haben in Georgien ein grosses Erbe hinterlassen: ihre Forschungen, wissenschaftlichen Werke und Herbarien. Die sind im Institut für Botanik namens N. Kezchoweli und in der Botanika Abteilung des Staatsmuseums Georgiens aufbewahrt.
Sehr interessant und vielfältig war die Tätigkeit von Gustav Radde in Tiflis. Er war der bekannte Naturwissenschaftler, Ethnograf und, was wichtig ist, einer von den Begründern des kaukasischen ethnografischen Museums. G. Radde war auf Empfehlung des Akadenikers A. von Kupfer als Helfer des Direktors des Tiflisser magnetisch-meteorologischen Observatoriums zwecks seiner Arbeit gekommen. Er hat im Observatorium erst 5 Monate lang gearbeitet, dann hat er mit der Gründung des Kaukasischen Museums angefangen. Das war das erste ethnographischen Museun im Russischen Reich. Dieses Museum stand den bessten europäischen Museen in seiner Grösse, der modernen Einrichtung und zahlreichen Exponaten nicht nach.


Das Museumgebäude hat Albert Salzmann gebaut, dieses Museum befand sich an der Golowinski Avenue dem Palast des Statthalters gegenüber. Das Museum wurde 1870 feierlich eröffnet. Gustav Radde leitete es im Laufe von 40 Jahren. Zur Zeit existiert dieses Gebäude nicht mehr.

In den Zeiten von Milberg trat die bekannte Dynastie der Feinmechaniker Weiss in Erscheinung. Der Gründer der Dynastie war Florentin Ferdinand Weis. Sein Vater Christian Ferdinand Weiss kam zusammen mit der Firma Siemens nach Tiflis in den 1860-er aus Stuttgart, in der er bereits als Mechaniker arbeitete.

Florentin Ferdinand Weiss arbeitete in der Sternwarte von Tiflis 30 Jahre lang. Seine Tätigkeit wurde von seinem Sohn Florentin Weiss fortgeführt. Jedes weitere Mitglied der Dynastie Weiss wurde in Deutschland ausgebildet, einschließlich eines Praktikums in Berlin. Alle drei Söhne vom Florentin Ferdinand Weiss, – Florentin, Arnold und Bruno arbeiteten in Tiflis. Sie waren nicht nur Feinmechaniker, sondern haben auch breiter gefächerte Profile im Bereich der Mechanik. Nach dem bekannten Befehl des Peter des Großen wurde der Titel „Feinmechaniker“ ausschließlich an Personen mit deutscher Herkunft verliehen. Es lässt sich mit Fug und Recht behaupten, dass die Fortschritte der Geowissenschaften in Georgien in einem erheblichen Maße auch im Zusammenhang mit der langjährigen und ergebnisreichen Arbeit der Familie Weiss standen.

Das schwere Schicksal der Deutschen in Georgien während des zweiten Weltkrieges  hat auch die Familie Weiss getroffen.  Florentin Ferdinand Weiss wurde 1942, trotz der Versuche seiner Kollegen ihn zu retten, zusammen mit seiner Familie nach Kasachstan deportiert. Erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges aufgrund der Bemühungen des Präsidenten der Akademie der Wissenschaften Georgiens, N. Mushelischwili konnte die Familie Weiss nach Tiflis zurückkehren.  Florentin Ferdinand Weiss konnte seine Tätigkeit fortsetzen. Seine Tochter Irma Weiss arbeitete ebenfalls im Bereich der Geophysik, hat einen Doktortitel und ist Mitglied der Assoziation der Deutschen Georgiens „Einung“.

Unter den deutschstämmigen Wissenschaftlern die in Georgien tätig waren ist auch Georg Hechtmann (02.09.1870 – 06.09.1956) zu nennen. Er war ein herausragender Geograph sowie Wirtschaftswissenschaftler, Professor an der Staatsuniversität in Tbilissi, Gründer des Lehrstuhls der Wirtschaftsgeographie der Staatsuniversität, Lehrer und Erzieher mehrerer Generationen der Jugend. Ihm gehört ein bedeutender Platz in der Geschichte der Wissenschaften Georgiens. Auch war er der Autor des ersten Buches aus dem Themenbereich der Wirtschaftsgeographie in georgischer Sprache, „Weltwirtschaftsgeographie“, herausgegeben 1925.

Der Vater von Georg Hechtmann, Nikolai Hechtmann hatte eine juristische Bildung, war der Sekreter des gerichtlichen Kollegiums und genoss den Ruf eines vielseitig gebildeten Menschen. Die Mutter von Georg Hechtmann, Manana Georgadze war die Tochter der bekannten georgischen Schriftstellering Barbare Georgadze.

Das Schicksal führte Georg Hechtmann mit vielen herausragenden Persönlichkeiten aus der georgischen Wissenschaft zusammen. Während des Studiums am Gymnasium in Tbilissi befreundete er sich mit Ivane Djawachischwili. Diese Freundschaft dauerte bis ans Lebensende des großen Ivane Djawachischwili. Hechtmann unterrichtete mehrere Jahre im zweiten Gymnasium von Tbilissi, wo einer seiner Schüler der künftiger Präsident der Akademie der Wissenschaften Georgiens Nikoloz Mushelischwili war. Dieser hat sich stets sehr positiv über seinen Klassenlehrer geäußert, der seine Weltanschauung als des großen Mathematikers geprägt hat.

Der jüngste Sohn von Georg Hechtmann, der Gabriel Hechtmann fiel am letzten Tag des Krieges gegen das bolschewistische Russland, am 25 Februar 1921 im Kampf um die Unabhängigkeit seiner Heimat.

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