Erster Weltkrieg. Friedensvertrag von Brest. Erklärung der Unabhängigkeit Georgiens.

Der erste Weltkrieg hat bisher eine noch nie dagewesene Mobilisierung deutschstämmiger Bevölkerung im Russischen Kaiserreich sowohl zum Militärdienst als auch zum Landsturm nach sich gezogen. Die zu dieser Zeit in Russland sowohl in der zivilen Gesellschaft als auch im Militär vorherrschende antideutsche Stimmung und Misstrauen haben dazu geführt, dass fast alle deutschstämmigen Rekruten in der Armee einer Diskriminierung und Erniedrigung ausgesetzt waren. Bereits ab Herbst 1914 wurden diese auch nicht an die Westfront geschickt. Solche, die bereits an der Westfront gedient haben, wurden an die Kaukasische Front verlagert. Selbst dort wurde ihnen in der Regel der Zugang zu Waffen verwehrt. Insgesamt betraf dies 1914 und 1915 mehr als 17000 deutsche Militärpersonen im Dienste des Kaiserreichs.

Im April und Mai 1917 wurden in den deutschen Kolonien im Kaukasus lokale Komitees geschaffen. Am 14 Mai 1917 wurde in Tiflis ein Kongress der deutschstämmigen Delegierten aus dem Kaukasus durchgeführt, auf dem ein zentrales Komitee deutscher Kolonisten unter Vorsitz von E. Bernstein geschaffen wurde. Der Kongress beschloss die Schaffung einer russlandweiten Union der Bürger deutscher Nationalität. Auch hat der Kongress für eine Hilfe für Deutsche die während des Krieges aus Polnischen Königreich, Wolyn und anderen westlichen Territorien ausgesiedelt wurden, sowie für die Teilnahme der Deutschen an der Nationalversammlung ausgesprochen.

Im Kaukasus fungierte die Union russischer Bürger mit deutscher Abstammung. Ab 1917 wurde die Gewährleistung der Sicherheit deutscher Bevölkerung im Kaukasus zur Hauptaufgabe dieser Union. Die Versammlung der Delegierten der Union am 21-23 Oktober hat beschlossen, dass deutsche Kolonien ein Anrecht auf die Schaffung von Truppen zur eigenen Verteidigung haben. Am 2. Februar 1918 wurde durch die Regierung der Kaukasischen Föderation eine Genehmigung für die Schaffung eines deutschen Regiments innerhalb der georgischen Armee zur Verteidigung deutscher Kolonien von diversen Banden erteilt.

Am 15 Februar 1918 wurde der Nationalrat der Deutschen im Kaukasus geschaffen, an welchem die Mitglieder der Union russischer Bürger mit deutscher Abstammung beteiligt wurden. Das Nationalrat hat die Zeitung „Kaukasische Post“ ausgegeben. Auch hat das Nationalrat das deutsche Regiment geführt, wessen Truppen über die Kolonien verteilt wurden.

Nach dem Zerfall der Kaukasischen Föderation wurden die Vertreter der Deutschen Georgiens, E. Bernstein und P. Bühl in das Parlament von Georgien gewählt.

Am 3. März 2018 wurde zwischen dem nun sowjetischen Russland einerseits und Mittelmächten, bestehend aus Deutschland, Österreich-Ungarn und Türkei andererseits ein Friedensabkommen geschlossen. Das Friedensabkommen hat das Ende des Krieges zwischen der sowjetischen Republik und der Mittelmächten geregelt. Von Russland wurden dabei Litauen, Livland, Kurland, Estland und ein Teil von Weißrussland abgetrennt. Im Kaukasus wurden Kars, Ardagan und Batumi an die Türkei abgegeben. Des Weiteren wurde die Unabhängigkeit von Finnland und Ukraine anerkannt.

Als eine der Auflagen des Friedensabkommens wurde festgelegt, dass „jedem Bürger eines jeden der Vertragsstaaten der selbst oder seine Vorfahren aus einem Gebiet einer anderen Vertragsstaat kommen, ein Recht auf Rückkehr in die Heimat für ihn selbst und seine Nachfahren, innerhalb von 10 Jahren nach der Ratifizierung des Friedensabkommens gewehrt werden muss“. Dabei sollen diejenigen, die nach Deutschland auswandern, ein Anrecht auf eine Kompensation, „für die während des Krieges aufgrund ihrer Herkunft erlittenen Schadens“ gewehrt werden. Außerdem das Recht auf eine vorzeitige Kündigung der Verträge, insbesondere der Pachtverträge mit der Kündigungsfrist von 6 Monaten, ohne eine Abfindung an Vertragspartner, sowie Anrecht auf die Ausfuhr des Vermögens.

Trotz des Rückkehrwunsches eines bedeutenden Teils deutscher Kolonisten, konnten nur wenige von diesen Rechten Gebrauch machen.

Nachstehend die Darstellung der Vorgänge bei der Erlangung der Unabhängigkeit von Georgien entsprechend der Arbeit von D. Springhorn, die sich überwiegend auf das Archivmaterial aus Deutschland stützt:

Im Mai 1918 begannen die Friedensverhandlungen zwischen der Türkei, dem Deutschen Reich und der neu zu gründenden “Transkaukasischen Republik”. Die Türkei wollte die kaukasischen Gebiete des Osmanischen Reiches von 1828 wieder erlangen und ihre Grenzen bis nach Baku ausdehnen, die Georgier wollten hingegen ihre Vorrangstellung in der Region sichern und die türkischen Expansionsbestrebungen stoppen. Deutschland beabsichtigte einen transkaukasischen Staat zu etablieren und dieses Gebiet politisch, militärisch und wirtschaftlich zu kontrollieren. Als die Türkei – unter dem Vorwand notwendiger Truppentransporte gegen englische Verbände im Iran – in den südlichen Kaukasus einmarschierte und die russische Armee sich aus Transkaukasien zurückzog, zerbrach die transkaukasische Föderation. Noe Jordania erkannte die Gunst der Stunde und traf sich heimlich mit dem deutschen General von Lossow in Batumi, um die Unabhängigkeit Georgiens mit deutscher Unterstützung vorzubereiten.

Am 26. Mai 1918 deklarierte Georgien der Welt seine Unabhängigkeit. Deutschland verpflichtete sich die Grenzen des jungen Staates zu schützen. Zu diesem Zweck wurde eine militärdiplomatische Mission unter der Leitung des Generals Freiherr Kress von Kressenstein nach Georgien geschickt. Im Gegenzug erhielt Deutschland von Georgien ein besonderes Recht zum Abbau und Handel mit Mangan, sowie das Recht, die Eisenbahnlinien, den Hafen, das Post-und Telegraphenwesen zu benutzen.

Von Kressenstein erreichte am. 23 Juni 1918 mit einer ersten Staffel Poti. Die 1.080 Offiziere und Soldaten des bayerischen Reserve-Jäger Bataillons und 488 Offiziere und Soldaten des preußischen Sturmbataillons sollten die Bahnlinie ins Landesinnere bewachen und die georgische Regierung unterstützen. Zugleich wurde in Georgien eine Mobilisierung der deutschen Gefangenen sowie der deutschen Kolonisten ausgerufen.

Bis Mitte September 1918 belief sich die Stärke der deutschen Kaukasustruppen auf 19.000 Mann. Dazu gehörten auch ein Feldlazarett, eine Funkstation, eine Kraftwagenkolonne und eine Flieger-Abteilung.

Von Kressenstein setzte sich während seines Aufenthalts in Georgien auch für die Interessen der deutschen Bevölkerung in Georgien ein: er unterstützte mit Hilfe der deutschen Wirtschaft die Gründung eines deutschen Gymnasiums in Tiflis, verhalf der Kaukasischen Post zu neuen Mitarbeitern und Finanzquellen, und sorgte dafür, dass das deutsche Militärlazarett unter der Leitung von Dr. Merzweiler nach Abzug der deutschen Delegation am 7. Januar 1919 in ein Zivilkrankenhaus umgewandelt wurde.

Interessant ist der Vergleich mit der Beschreibung derselben Vorgänge aus dem Blickwinkel des georgischen Generals Georgi Masniaschwili:

Am 12. April um 3 Uhr nachts hat mit ein Kurier ein Telegramm aus Moskau übergeben in der mitgeteilt wurde, dass unsere Regierung ein Abkommen mit Deutschland geschlossen hat, wonach Deutschland eine weitere Fortbewegung von Osmanen unterbindet. Zusammen mit diesem Telegramm wurde mir ein Regiment von Infanteristen unter Führung eines Offiziers unterstellt.

Dabei musste ich es dem Offizier erlauben, eine deutsche Fahne an einer Brücke über den Fluss Choloki zu hießen. Die Fahne soll es ihm ermöglichen zu den Osmanen rüberzugehen und ihnen anzukündigen, dass Georgien nun unter dem Schutz deutscher Truppen steht.

Das Regiment musste dabei in Natanebi bleiben (Natanebi und Choloki kennzeichnen die Grenze zum Gebiet von Adjarien, – Anmerkung der Redaktion) und eine deutsche Fahne sollte auch in Natanebi gehießt werden. Außerdem wurde mitgeteilt, dass ein zweites Regiment der Deutschen nach Samtredia zur Aufrechterhaltung der Ordnung abkommandiert wurde, während deutsche Truppen von Poti nach Tiflis bewegt werden.

Auf meine Frage, – wie die deutschen Truppen in Tiflis erschienen sind, hat der Kurier geantwortet, dass bereits vor der Ankunft regulärer deutscher Truppen, eine Truppe aus eintausend freiwilligen örtlich ansässigen Deutschen sowie Kriegsgefangenen zusammengestellt wurde. Aus diesen Truppen wurde mir je ein Regiment für Natanebi und Samtredia unterstellt.

Diese Einmischung wurde von der türkischen Seite als nicht legitim gesehen, hat allerdings zu keinem Widerstand gegenüber dem starken Partner geführt.

So wurde Georgien von der türkischen Okkupation gerettet.

Die zwei, hier angeführte Sichtweisen auf dieselben Ereignisse beschreiben eines der für Georgien historisch wichtigsten Zeiten. Auch sind beide Beschreibungen vertrauenswürdig. Es fällt allerdings auf, dass die Ereignisse die vom General Masniaschwili beschrieben werden, sich auf die Zeit etwa um einem Monat vor den entsprechenden Ereignissen nach offiziellen deutschen Quellen beziehen. Dies kann dadurch erklärt werden, dass ein Konsens zwischen den Regierungen von Deutschland und Georgien noch vor der Verkündung offizieller Verhandlungen erreicht wurde.

Verfasser des Beitrags

Dr. Harry Augst

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